Welche Versicherungen brauchen Sie wirklich?

Ratgeber · Grundlagen · Lesezeit ca. 4 Minuten

Kaum eine Frage höre ich öfter – und kaum eine wird in der Werbung schlechter beantwortet. Die ehrliche Antwort beginnt mit einem einfachen Prinzip: Versichert werden sollten zuerst die Risiken, die Sie finanziell nicht selbst tragen können. Ein zerkratztes Handydisplay ist ärgerlich; ein Personenschaden in Millionenhöhe oder der Verlust des Einkommens verändert ein Leben.

Stufe 1: Existenzielle Risiken

Diese Absicherungen gehören für die allermeisten Menschen an den Anfang:

  • Privathaftpflicht: Für Schäden, die Sie anderen zufügen, haften Sie unbegrenzt – mit allem, was Sie haben. Für wenige Euro im Monat ist dieses Risiko vom Tisch.
  • Krankenversicherung: In Deutschland Pflicht und meist vorhanden – prüfenswert sind eher die Lücken, etwa bei Zahnersatz oder im Ausland (Auslandsreise-Krankenversicherung).
  • Absicherung der Arbeitskraft: Ihr Einkommen ist die Grundlage von allem. Die Berufsunfähigkeitsversicherung ist hier erste Wahl; wo sie nicht möglich ist, gibt es Alternativen wie den Existenzschutz. Beamte brauchen die DU-Klausel.
  • Risikolebensversicherung: Wenn Familie oder Immobilienkredit von Ihrem Einkommen abhängen.

Stufe 2: Besitz schützen

  • Wohngebäudeversicherung: Für Eigentümer unverzichtbar – bei finanzierten Objekten verlangt sie auch die Bank. An den Elementarbaustein denken.
  • Hausratversicherung: Sinnvoll, sobald der Wiederbeschaffungswert der Einrichtung wehtun würde – bei den meisten Haushalten ist das schneller der Fall als gedacht.
  • Kfz: Haftpflicht ist Pflicht; ob Voll- oder Teilkasko dazukommt, hängt von Fahrzeugwert und -alter ab (mehr zur Kfz-Versicherung).
  • Rechtsschutz: Kein Muss, aber wertvoll, wenn Sie im Streitfall nicht aus Kostenangst klein beigeben wollen.

Stufe 3: Komfort – hier lohnt das Abwägen

Handy-, Brillen- oder Reisegepäckversicherung decken Risiken, die viele Haushalte aus der Rücklage tragen könnten. Das heißt nicht, dass solche Policen nie sinnvoll sind – ein teures E-Bike oder eine lange Fernreise können die Rechnung ändern. Die Faustregel lautet: Erst die großen Risiken absichern, dann über die kleinen nachdenken. Was selten sinnvoll ist: kleine Risiken versichern, während die Arbeitskraft ungeschützt bleibt.

Drei Fragen, die die Auswahl leichter machen

  1. Könnte mich dieser Schaden finanziell ernsthaft treffen – oder wäre er nur ärgerlich?
  2. Hängt jemand von meinem Einkommen ab?
  3. Wann habe ich meine bestehenden Verträge zuletzt prüfen lassen – passt der Schutz noch zu meinem Leben?
Tipp: Genau diese Reihenfolge – Existenz, Besitz, Komfort – gehen wir im Erstgespräch durch. Oft zeigt sich dabei beides: Lücken bei den großen Risiken und Verträge, die Sie eigentlich nicht mehr brauchen.

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Dieser Artikel informiert allgemein und ersetzt keine individuelle Beratung. Stand: August 2026.

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