Rentenlücke verstehen: So finden Sie heraus, wie groß Ihre ist
„Die Rente wird knapp“ – das hat jeder schon gehört. Aber wie knapp sie für Sie persönlich wird, wissen die wenigsten. Dabei lässt sich die eigene Rentenlücke mit drei Zahlen erstaunlich gut überschlagen.
Schritt 1: Was kommt voraussichtlich rein?
Die Basis liefert Ihre Renteninformation – das Schreiben, das die Deutsche Rentenversicherung jährlich verschickt. Relevant ist die Zeile mit der Hochrechnung Ihrer künftigen Regelaltersrente. Wichtig dabei:
- Von der Bruttorente gehen noch Kranken- und Pflegeversicherung sowie gegebenenfalls Steuern ab.
- Die Hochrechnung unterstellt, dass Sie bis zur Regelaltersgrenze so weiterverdienen wie bisher.
- Kaufkraft: Was in 20 oder 30 Jahren auf dem Papier steht, ist real deutlich weniger wert. Als grobe Faustregel halbiert sich die Kaufkraft bei 2 % Inflation etwa alle 35 Jahre.
Beamte schauen stattdessen auf ihre Versorgungsauskunft – gerade bei später Verbeamtung oder Teilzeit fällt das Ruhegehalt oft niedriger aus als gedacht.
Schritt 2: Was brauchen Sie im Ruhestand?
Verbreitete Faustregel: rund 80 % des letzten Nettoeinkommens, um den Lebensstandard zu halten. Genauer wird es, wenn Sie Ihre heutigen Fixkosten durchgehen: Was fällt weg (Pendeln, Kredit läuft aus), was kommt dazu (Gesundheit, mehr freie Zeit)?
Schritt 3: Die Lücke
Bedarf minus erwartete Nettorente = monatliche Lücke. Bei vielen liegt sie im mittleren dreistelligen Bereich – pro Monat, über 20 und mehr Ruhestandsjahre. Genau diese Zahl ist der Startpunkt jeder seriösen Vorsorgeplanung: Erst wenn die Lücke beziffert ist, lässt sich sinnvoll über Lösungen sprechen.
Welche Wege gibt es, die Lücke zu schließen?
Die Vorsorgelandschaft sortiert sich in drei Schichten – jede mit eigenen Steuer- und Flexibilitätsregeln:
| Schicht | Beispiele | Typisch für |
|---|---|---|
| 1 – Basisversorgung | Gesetzliche Rente, Rürup-Rente | Selbstständige, hohe Steuerlast |
| 2 – Geförderte Vorsorge | Betriebliche Altersvorsorge, Riester | Angestellte (Arbeitgeberzuschuss!), Familien |
| 3 – Private Vorsorge | Private Rentenversicherung, auch ETF-basiert | Flexibilität, freie Vererbbarkeit |
Welche Mischung passt, hängt von Alter, Steuersituation, Arbeitsverhältnis und Risikobereitschaft ab. Chancenorientierte Lösungen (z. B. ETF-basierte Policen) bieten langfristig Renditechancen, unterliegen aber Marktschwankungen – beides gehört ehrlich auf den Tisch.
Dieser Artikel informiert allgemein und ersetzt keine individuelle Beratung; künftige Wertentwicklungen sind nicht garantiert. Stand: Juli 2026.